Wer immer schon mal wissen wollte, wann zum ersten Mal mit einer Gabel
gegessen wurde, oder wann die erste Fertigpizza im Regal stand, kann hier fündig
werden. Die Zeitreise enthält viele esskulturgeschichtlich wichtige Daten. Viele
der Lebensmittel die wir heute selbstverständlich in Supermärkten kaufen, kamen
im 19. Jahrhundert erstmals auf den Markt. So z.B. das Kaugummi, die Margarine,
Heinz Ketchup, und vieles mehr.
1810
Ein Franzose erfindet die Konservendose
1795 setzte Napoleon I. den Preis von 12.000 Goldfranken für die Erfindung
eines Verfahrens zum Haltbarmachen von Nahrungsmitteln aus. Der Stratege
Napoleon dachte dabei weniger an die Bevölkerung, als mehr an die Armee, die
lange haltbare Vorräte benötigte. Preisträger war der Pariser Konditor und
Zuckerbäcker François Nicolas Appert. Apperts hatte eine Methode gefunden,
Lebensmittel in Gläsern durch ein Vakuum zu schützen. Bereits 1812 wurden die
ersten Proto-Konserven hergestellt. Die ersten richtige Konservenfabriken nahmen
ihre Arbeit allerdings erst 1850 auf. Andere Quellen sehen allerdings Peter
Durand als den Erfinder an. Er soll die Konservendose ebenfalls 1810
vorgestellt, haben.
1828
C. Van Houten gelingt es, Kakao zu entfetten
Normales Kakaopulver enthält bis zu 22% Kakaobutter, die zum einen schnell
ranzig wird und zum anderen nicht besonders gut löslich ist. Beides Faktoren,
die die Zubereitung des heute so beliebten Milchkakaos früher arg erschwerten.
1828 gelang es dem Niederländer C. Van Houten, das Kakaopulver bis auf 10% zu
entfetten. Das Pulver war jetzt löslicher. Die Kakaobutter wird übrigens
weiterverwendet: Sie wird der Schokolade beigemengt.
1832
Die ersten Schokoladen-Hohlfiguren werden produziert
1832 produziert der Franzose Jean Baptiste Letang erstmals Hohlformenfiguren
speziell für Schokolade. In Deutschland wurden die ersten Hohlfiguren erst
zwischen 1866 und 1870 von Hermann Walter aus Berlin hergestellt. Ab 1911 wurde
dann auch die gemeine Schokoladentafel, der besseren Haltbarkeit wegen, in
Aluminium verpackt.
1837
Die Worcestershire Sauce kommt in den Handel
Fast 170 Jahre existiert sie nun schon, die Soße mit dem unaussprechlichen
Namen: Die Worcestershire Sauce (sprich Wuster-Soße). Trotz völlig umgestellter
Herstellungsweise hat sich, nach Angaben des Herstellers, der Geschmack seit
Erfindung nicht geändert. Das genaue Rezept wird streng geheim gehalten. Nur
eine Hand voll eingeweihter Mitarbeiter kennen es. Die Hauptzutaten sind
allerdings auf der Flasche zu lesen: Essig, Soja, Wein, Melasse, Anchovis,
Pfefferschoten, Chili, Ingwer, Schalotten, Knoblauch und Tamarindenpulver.
Erfunden wurde die Soße von den englischen Apothekern Mr. Lea and Mr. Perrins.
Deren Firma stellt die Soße auch heute noch her. Der Name stammt einer Legende
nach von einem aus Worcester stammendem Lord, der es den Apothekern übergeben
haben soll.
1856
Die Kondensmilch kommt auf den Markt
In den USA bringt Gail Borden erstmals gezuckerte Kondensmilch auf den Markt.
Zehn Jahre später gründen zwei Amerikaner die Anglo-Swiss Condensed Milk
Company in Zürich, mit der Absicht Kondensmilch insbesondere nach England zu
exportieren. 1905 fusionierte die Gesellschaft mit der Nestlé S.A., 1977 blieb
schließlich nur noch der Name Nestlé übrig. In Deutschland rühmt sich Dresden,
Herstellungsstadt der ersten industriell produzierten Kondensmilch zu sein. 1886
brachte dort die Pfund's Molkerei die erste Dosenmilch auf den Markt.
1860
Erfindung des Cocktailshakers
1860 wurde der Cocktailshaker in Amerika erfunden. wahrscheinlich in einer
kleinen Cocktailbar, die zu der Zeit schon weit verbreitet waren. Hier waren
übrigens die Engländer schneller. Die erste Cocktailbar wurde 1851 in London
eröffnet.
1869
Gründung der Campbell Soup Company
Einen Großteil seines Ruhmes verdankt Andy Warhol zwei Männern: Joseph
Campbell, einem Gemüsehändler und seinem Partner Abraham Anderson. Diese beiden
gründeten 1869 in New Jersey die Campbell Soup Company. 1897 gelang es ihnen, den
Wassergehalt der Suppen zu reduzieren und so die Verpackungs-, Transport-, und
Lagerkosten senken zu können. Damit waren Sie der Konkurrenz eine Nasenlänge
voraus. Andy Warhol griff das Motiv der überall verfügbaren Suppe erstmals für
ein Kunstwerk auf. Das steigerte den Bekanntheitsgrad der Suppe dann noch einmal
enorm.
1870
Die Kaugummiqualität wird entscheidend verbessert
Thomas Adams verbessert die Herstellung des Kaugummis wesentlich und ebnet so
den Markt für den Kaugummi-Boom in Amerika. Er selbst sollte aber nicht
besonders daran verdienen. 20 Jahre später machte nämlich ein ganz anderer damit
das große Geld: Mr. Wrigley!
1871
Die Margarine wird erfunden
Der Chemiker Hippolyte Mège-Mouries erfindet im Auftrag von Napoleon einen
streichfähigen Aufstrich aus Rindertalg. Grund war, dass mit Beginn des
Industriezeitalters und dem damit verbundenen starkem Wachstum der Bevölkerung
auch der Fettbedarf stieg. Das wurde immer knapper und teurer. Ein preiswerter
Ersatz musste her. Auch wenn das Fett noch tierischer Herkunft war, gilt er als
Erfinder der Margarine. Erst durch die 1902 von W. Norman erfundene Fetthärtung,
konnten auch pflanzliche Fette für die Margarineherstellung verwendet werden.
1876
Carl von Linde erfindet die Kompressions-Kältemaschine
Die Erfindung von Linde ist die Grundlage der modernen Kühltechnik, ohne die
es heute nicht eine Tiefkühlpizza geben würde. Durch die Folgen der
Industrialisierung war der Bedarf an Lebensmitteln so stark angewachsen, dass
der Bedarf nicht mehr allein durch heimische Lebensmittel gedeckt werden konnte.
In den wie Pilze aus dem Boden schießenden Kühlhäusern, die mit Lindes Maschinen
betrieben wurden, hielten die Lebensmittel länger. Um den Bedarf zu decken,
wurden schließlich sogar die ersten Kühlschiffe gebaut, die Frischfleisch aus
aller Welt nach Europa brachten. Bereits ein Jahr nach der Erfindung der
Kälte-Maschine wurde argentinisches tiefgefrorenes Rindfleisch bei -30 Grad nach
Frankreich transportiert.
Henry John Heinz verkauft erstmals seinen Ketchup
Die Erfinder des Ketchups, die Chinesen, nannten ihre Soße "Ketsiap".
Vielmehr als die Ähnlichkeit des Namens hat die kalt-pikante Fischsauce von
damals aber mit dem modernen Ketchup nicht gemein. Im 18. Jahrhundert führte der
Weg der chinesischen Soße über Europa nach Amerika. Der Jungunternehmer Henry
John Heinz, probierte damals schon länger an Soßen herum, als er im Jahre 1876 -
inspiriert von dem asiatischen Mitbringsel - deren Rezeptur veränderte: Aus
Tomaten und zahlreichen Gewürzen entwickelte er den Heinz Tomato Ketchup, dessen
Rezeptur bis heute unverändert geblieben sein soll.
1878
Colman`s Mustard (schärfster Senf der Welt) wird gegründet
Die Briten können sich damit rühmen, den schärfsten Senf der Welt zu haben.
1878 starteten die Gebrüder Colman ihre Produktion. Sie garantierten den
Senffarmern feste Abnahmemengen und konnten sich im Empire gegen die Konkurrenz
durchsetzen. Colman`s Mustard gab es zunächst nur als Pulver, dass aus grob
zerstoßenen Senfkörnern, Weizenmehl, Kurkuma, Cayennepfeffer und andere Zutaten
bestand. Später kamen dann auch die heute üblichen tafelfertigen Varianten
hinzu.
1886
Die Maggi-Würze wird von Julius
Maggi in der Zürcher Gemeinde Kemptthal als preiswerter Ersatz für
Fleischextrakt erfunden
Zur Epoche von Julius MAGGI
strömten viele Schweizer Familien vom Land in die Städte um Arbeit in der
Industrie zu finden. Auch die Frauen arbeiteten in den Fabriken und hatten kaum
Zeit zum Kochen. Die Ernährung war mangelhaft, am ausgeprägtesten war
Eiweißmangel. Julius MAGGI erkannte diesen Ernährungsnotstand zusammen mit
seinem Freund, dem Fabrikinspektor Fridolin Schuler. Er konzentrierte sich auf
die Entwicklung von Produkten aus Erbsen, Bohnen und Linsen wegen ihres
reichhaltigen und preisgünstigen pflanzlichen Eiweißes. 1886 gelang die
Herstellung der ersten kochfertigen Suppen. Diese waren nahrhaft, zeitsparend
und für jedermann bezahlbar. Im gleichen Jahr erfand Julius MAGGI die heute
weltberühmte Suppenwürze.
1888
Pasteur entwickelt eine Methode zum Abtöten von Mikroorganismen durch
Hitze
In seinem Pariser Labor beobachtet Pasteur 1888 die Beteiligung von
Kleinstlebewesen bei Zersetzungs- und Krankheitsprozessen. Auf der Grundlage
seiner Beobachtungen entwickelt er eine Methode zum Abtöten von Mikroorganismen
durch Hitzeeinwirkung - das "Pasteurisieren". Dadurch ist er quasi der
Wegbereiter der modernen Konservierungsverfahren.
1891
Oetker bringt das Backpulver (Bakin) auf den Markt
Wie so oft in der Geschichte der Lebensmitteltechnologie, íst der Erfinder
eines Produktes nicht der, der auch das große Geschäft damit macht. So auch beim
Backpulver: Erstmals beschrieben von Justus Liebig, versuchten sich viele
Chemiker daran, bekannte Chemikalien so zu mischen, dass diese die benötigte
Triebkraft für Gebäck und Kuchen aufwiesen. In Amerika gelang das schließlich.
Dort wurde das Pulver allerdings in 250-Gramm-Dosen verkauft. August Oetker
brachte schließlich 1891 sein Backin in einer Bielefelder Apotheke in Tütchen zu
20 Gramm auf den Markt. Das war neu. Jedes Tütchen reichte für ein Pfund Mehl.
Der Preis von zehn Pfennig schien niedrig, die Gewinnmarge war allerdings
beträchtlich.
1891
Leibnitz-Butterkeks
Mit dem Leibnitz-Butterkeks ist Herman Bahlsen 1891 ein großer Wurf gelungen:
Bis heute unverändert im Aussehen mit seinen 52 "Zähnen", ist der Butterkeks ein
echter Klassiker. Produkte nach berühmten Personen zu benennen, war zu Ende des
19. Jahrhunderts große Mode. Da der Keks aus Hannover kam, lag es nicht fern,
den Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibnitz aus derselben Stadt als Namenspaten
zu wählen. Hermann Bahlsen hat übrigens auch die deutsche Bezeichnung "Keks"
erfunden, indem er sich an dem englischen "cake" orientierte.
1892
Asbach Uralt erblickt das Licht der Welt
Generationen der heute 35-45 jährigen haben ihre Kindheit mit Asbach-Uralt
Werbung verbracht. Die tiefe Stimme, die allabendlich die unverständlichen Worte
vom Geist der Weines wiederholte, bleibt einem einfach im Gedächtnis. 1892
brannte Hugo Asbach seinen ersten Weinbrand in Rüdesheim. Einen Großteil seines
Erfolges hat der hessische Weinbrand sicher seiner Werbung zu verdanken, die der
Firmengründer konsequent genutzt hat.
1894
Palmin kommt auf den Markt
Dr. Heinrich Schlinck hatte Visionen: Wenn der Bedarf an Fetten und Ölen, den
die rapide anwachsende Bevölkerung hatte, mit tierischen Produkten nicht mehr zu
befriedigen war, dann müsste doch die riesigen Reserven, die in der tropischen
Pflanzenwelt steckten, nutzbar gemacht werden können. Und in der Tat entwickelt
er ein Verfahren, um das Fett der Kokosnuss zu extrahieren und so aufzubereiten,
dass es als Kochfett taugt.
1892 erhielt er sein Patent, 1984 beginnt er damit
das Kokosfett "Palmin" zu produzieren. Ab 1887 erfolgt der Verkauf des Produktes
im größeren Stil.
|