Unter den klassischen
Servierarten verstehen wir heute die bis in die 20er Jahre des letzten
Jahrhunderts verwendeten Begriffe: Französischer Service, Englischer Service und
Russischer Service. Der Begriff "Service" beschreibt dabei die Menüteile, die im
klassischen Menü als Teileinheit innerhalb des Gesamtablaufs verstanden wurden.
Er entspricht den traditionellen deutschen Wörtern Tracht oder Gang, die seit
Jahrhunderten üblich waren. Bezeichnet wurde damit stets " ... alles, was auf
einmal hereingebracht wird bei Tische". Ein großes Mahl hatte drei Gänge, die,
abweichend vom heutigen Sprachgebrauch, nicht die einzelnen, aufeinander
folgenden Gerichte bezeichneten, sondern alle Speisen der 1., 2. und 3. Gruppe
eines Mahles. Jeder Gang enthielt vier Gerichte. So ist historisch auch der
Begriff Service als Speisengruppe innerhalb des klassischen Menüs zu definieren.
Ein gutes Essen wird nicht nur
allein von der Qualität der Speisen bestimmt, sondern auch von der Art und Weise
der Präsentation. Am Wandel des Servierstils lässt sich gut die Bedeutung der
Mahlzeiten ablesen. Wollte man im 18. Jahrhundert bei Hofe noch seinen Reichtum
demonstrieren, steht heute mehr die Bequemlichkeit des Gastes im Vordergrund.
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Die gängigste Art im 18. Jahrhundert
bei Hofe Speisen aufzutragen, war der so genannte service à la française
(französischer Service). Bei diesem Service wurden die Speisen in verschiedenen
Serien aufgetragen, die jeweils aus zahlreichen verschiedenen Gerichten
bestanden. Wenn alle Platten der ersten Serie abgetragen waren, brachte man die
Platten der zweiten Serie. Sämtliche Terrinen, Platten und Schüsseln der ersten
Serie wurden oft schon aufgetragen, bevor die Gäste sich zu Tisch begaben. Dann
bedienten sich die Gäste entweder selbst oder die größeren Gerichte wurden nach
der Präsentation wieder abgetragen, vom Personal am Nebentisch tranchiert und
anschließend wieder vorgelegt. Dieser Service war zwar ein Augenschmaus, hatte
aber auch erhebliche Nachteile. Die Speisen waren nicht selten kalt, bis sie zum
Verzehr auf den Teller kamen. Schließlich war diese Prozedur durch das
gleichzeitige Auftragen der Serien, auch sehr personalintensiv. Ziel dieser Art,
die Speisen aufzutragen war weniger der Genuss des Essens, als vielmehr -und im
18. Jahrhundert sehr verbreitet - die Demonstration des eigenen Reichtums. Der
moderne französischen Service sieht denn auch etwas anders aus. Vor und
Nachspeisen werden vom seitlich aufgebautem Büfett portioniert, während die
Hauptspeisen und Beilagen auf Réchauds auf dem Tisch meist zur Selbstbedienung
stehen.
Die heute in Restaurants
gebräuchlichste Methode des Servierens, etablierte sich im großen Stile in
Russland. Zar Peter I. soll an seinem Hof diese Art des Services eingeführt
haben. Der russische Service setzte sich im 19. Jahrhundert dann zunehmend auch
in Europa durch. Nahmen die Gäste an der Tafel platz, war dort noch nicht
allzuviel zu sehen: Kalte Entrées, Salate und Kompotte waren zwar kunstvoll
darauf angerichtet, was dann an warmen Speisen kommen sollte, war aber noch
nicht zu ahnen. Diese wurden in der Reihenfolge serviert, wie sie auch verzehrt
werden sollten. Eine neue Erfindung war der russische Service allerdings nicht,
denn schon im alten Athen und bei den Römern wurden Speisen einzeln aufgetragen.
Hier scheint die mitunter nicht endend wollende Serviererei (es wurden bis zu 50
Speisen nacheinander gereicht) die Gäste mitunter sehr strapaziert zu haben.
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Eine weitere Variante ist der
deutsche Service. Hier werden Beilagen direkt auf den Tisch gestellt und von den
Gästen selbst weitergereicht. Filiert wird am Tisch selbst. Diese Art des
Service ist (typisch deutsch?) natürlich die personalsparendste Variante. Noch
mehr Einsparungen im Aufwand bietet der so genannte Tellerservice. Auf den dem
Gast servierten Tellern findet sich alles, was zu verspeisen ist. Extra Schalen
fallen gänzlich oder zumindest weitgehend weg.
Das mit dem sparsamen deutschen
Service, das (untere) Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist, zeigt der
in jedem Fast-Food-Restaurant und jeder Kantine übliche "Self-Service". Hier
steht zwischen Koch und Gast, lediglich ein(e) Kassierer/in. Auch diese ist
immer häufiger (z.B. auf Autobahnraststätten) nur noch in Form einer einzigen
zentralen Kraft an der Kasse zu finden. Das Kochpersonal füllt hier die Speisen
selbst in die Bain-Maries. Das wird dann nur noch durch den Service an einer
Wurstbude übertroffen, an der meist männliche "Grillmeister" auch den
Kassiervorgang übernehmen.
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Info
Bain-Maries. Das heiße Wasserbad
diente ursprünglich dazu, empfindliche Speisen nicht nur warmzuhalten, sondern
zum Teil auch in dem Wasserbad zuzubereiten. Heute dienen Bain-Maries in
Großküchen und Restaurants zum Warmhalten vieler Speisen. Das Wasserbad ist eine
italienische Erfindung (bagno maria). Namensgeberin soll die mittelalterliche
Alchimistin Maria de Cleofa gewesen sein, die sich neben der Medizin auch mit
der Kochkunst beschäftigte.
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Beim im 18.
Jahrhundert bei Hofe üblichen russischen Service wussten die
Gäste oft nicht, was der Abend kulinarisch bringen würde.
Mitunter gab es unangenehme Überraschungen, weil Speisen
aufgetragen wurden, die der eine oder andere Gast nicht mochte
und nicht klar war, was als nächstes kommen könnte. Daher
benutze man immer öfter Speisekarten. Diese ersetzten sozusagen
die vollständige Präsentation der Speisen des Service à la
française.
Um ein wenig des
Glanzes der Speisen-Präsentation des französischen Services zu
retten, war die Speisekarte nicht selten künstlerisch sehr
aufwändig gestaltet. Verfasst war sie meist in französischer
Sprache. Speisekarten kannte man, so wird in der
"Kulturgeschichte des Essens und Trinkens" berichtet, zwar schon
im 4 Jahrhundert v. Chr., ihren Durchbruch schafften sie
allerdings erst im 19 Jahrhundert. In Deutschland soll Herzog
Heinrich von Braunschweig schon Ende des 14. Jahrhunderts
während festlicher Essen, öfter auf eine persönliche Speisekarte
geschaut haben.
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