Apfelwein,
Äpfelwein, Ebbelwei, Äppelwoi, Äppler oder Stöffche – viele
Namen für das hessische Nationalgetränk. Doch egal, wie man den
Schoppe auch nennt, seine Herstellung folgt seit Jahrhunderten
dem Rhythmus der Natur. Im Herbst wird das Stöffche gekeltert
und traditionell im neuen Jahr angestochen. Der Apfelwein wird
in allen Stadien der Reifung getrunken und hat in allen
Nuancierungen seine Liebhaber.
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Im Herbst, nach
der Apfelernte, werden die Äpfel kalt ausgepresst und man erhält
den so genannten „Sieße“ (Süßen). Zu dieser Zeit enthält das
Getränk noch nicht soviel Alkohol und er wird von den
Apfelweingeschworenen abschätzig als „labberisches Weiwergesöff“
und „Wermcherbrieh“ bezeichnet. Ein bis zwei Wochen nach dem
Keltern ist aus dem „Sieße“ der „Rauscher“ geworden: ein
gärender Most, der auf der Zunge bitzelt. Er entspricht etwa dem
Federweißen beim Wein. Seine „durchschlagende“ Eigenschaft hat
ihn in diesem Stadium auch die Bezeichnungen „Flitzer“ und „Hoseschisser“
eingetragen. Eine Gärungsstufe weiter nennen die Kenner ihn „Bizzler“.
Dann enthält er etwa fünf bis sechs Prozent Alkohol.
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Apfelwein wird
normalerweise nicht aus den modernen Apfelsorten hergestellt, da
diese zuviel Fruchtzucker enthalten. In der Kelterung greift man
auf die säurehaltigen älteren Sorten aus dem Streuobstanbau
zurück. Eine Variante des Apfelweins wird mit dem Saft der
Früchte des Speierlingbaumes versetzt. Diese "Säuerung" klärt
den Wein und macht ihn länger haltbar. Manche Hersteller
verwenden den so genannten Holz- oder Viezapfel, und mischen
diesen mit etwas süßeren Sorten. Mit einem anderen Getränk
vermischt, nennen die Hessen ihren Apfelwein „Geschbritzter“. Es
wird zwischen „Süßgespritztem“ und „Sauergespritztem“
unterschieden. Süßgespritzter ist Apfelwein mit Limonade,
Sauergespritzter ist Äppler mit Mineralwasser.
Geschichte
"Über Rosen
lässt sich dichten, in die Äpfel muss man beißen"
Johann Wolfgang von Goethe
"Wer Äpfel isst der sündigt, wer Äpfel trinkt hat wohl
getan"
Karl Edlinger
800 n.C. gab es zwei Wörter für Wein, "Traubenwein" und
"anderer Wein". Die Basken sind die ältesten
Apfelweinhersteller Europas. Sie wandelten ihre
Olivenpressen, die Mauren während ihrer Besatzungszeit
hinterlassen haben, zu Saftpressen um. Auf diese Art konnte
man ertragreich Most pressen. Schon bald erkannten sie, dass
aus dem Most ein Wein herzustellen war. Diese Technik,
entwickelten sie immer weiter, bis ein schmackhafter
Apfelwein entstand.
Im dreißigjährigen Krieg wurden viele Weinberge in Frankfurt
zerstört. Das war der Vormarsch des Apfelweins in der
Umgebung. Die freien Flächen wurden mit Apfelbäumen
bepflanzt und aus den Früchten "billiger" Wein gekeltert.
Der steuerliche Sonderstatus wurde 1750 in Bornheim
(Frankfurt) etabliert, da der Apfelwein nicht als "edel"
galt und nur vom einfachen Volk getrunken wurde. In
Frankfurt gab es vor Beginn des ersten Weltkrieges 1892, 5
große und 45 kleine Keltereien. Beide Weltkriege haben den
Apfelwein stark beeinflusst. In Frankfurt durfte länger
gekeltert werden als irgend wo sonst in der Nachkriegszeit.
Der Apfelwein findet sich heute noch in den früher besetzten
Gebieten: von Südengland über Frankreich, Deutschland,
Schweiz, Österreich bis in das ehemalige Jugoslawien. "Des
gude Stöffche" oder Ebbelwoi, wie die Frankfurter ihr
Nationalgetränk nennen, ist in der Stadt urkundlich bis in
das sechzehnte Jahrhundert bekannt. Per Ratsverordnung aus
dem Jahr 1638 wurde die Grundlage für die strengen
Reinhaltungsbestimmungen gelegt, denen auch die heutigen
Produkte unterliegen. Der Name Apfel stammt ziemlich sicher
nicht aus dem Lateinischen, sondern wurde von dem
althochdeutschen "apful", niederdeutschen "appel" und dem
keltischen "aball" abgeleitet.
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Manchmal wird der
Apfelwein auch mit Apfelsaft gemischt. Die Kombination heißt
dann „Halbe-Halbe“. Ganz selten muss der Äpler das Gerippte mit
einem Bier teilen. Das Mischen gilt übrigens bei vielen
Apfelweinliebhabern als Kulturverbrechen. Manch ein Wirt schenkt
erst gar keine Äppler-Mischung mit Cola oder Bier aus. In seinem
Kelterjahr heißt der Apfelwein „Neuer“. Im Gegensatz zum
Apfelwein aus dem Vorjahr, der dann als „Alter“ bezeichnet wird
Der Äppler wird
traditionell aus dem Bembel, einem bauchigen Steinkrug,
eingeschenkt. Der Krug hält das Getränk kühl und schützt es vor
Licht. Fast alle Bembel sind mit blauer Kobaltmalerei oder mit
Ritzdekor verziert. Die echten Bembel kommen aus dem Westerwald,
dem Kannebäckerland.
Ein gefüllter
Bembel ist schwer und lässt sich nur mühsam heben. Zum
Ausschenken hat der Hesse deswegen ein eigenes Gerät entwickelt,
den „Faulenzer“. Der „Faulenzer“ ist ein kippbares
Ausschankgerät, früher aus Holz und heute aus Schmiedeeisen.
Beim Ausschenken ächzt die Achse „schon widder schaffe“, und so
kam es zu der Bezeichnung „Faulenzer“.
Der Äppler wird aus dem Gerippte getrunken, ein konisches Glas
mit einer rautenförmigen Rippenstruktur. Die gerippte Fläche
verleiht dem Apfelwein einen funkelnden Glanz, und das war
früher, als der Apfelwein noch naturtrüb getrunken wurde,
besonders wichtig.
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Der
Apfelweindeckel vervollständigt Bembel und Geripptes zum
„Frankfurter Dreigestirn“. Bislang sind die Deckel nur in der
Frankfurter Region üblich. Der Ursprung liegt auch noch nicht so
lange zurück – das älteste datierte Stück stammt aus dem Jahre
1887. Der Ursprung der Apfelweindeckel stellt die Historiker vor
Rätsel – doch es wird wohl etwas mit den „Draussensitzern“ zu
tun haben. Heute sind die Deckel vor allem ein beliebtes
Frankfurter Souvenir. Das echte "Stöffche" trinkt man bei etwa
11 bis 14 Grad.
Wissenswertes
über den Äppler
In der
Mainmetropole Frankfurt ist der "Ebbelwoi" seit dem 16. Jh.
urkundlich bekannt. Eine Ratsversammlung legte 1638 die strengen
Reinhaltungsbestimmungen fest, die auch noch für heutige
Produktionen gelten. Die erste Schankerlaubnis wurde 1754
erteilt. Mit der Zunahme des öffentlichen Ausschanks entdeckte
die Stadt eine neue Einnahmequelle und besteuerte das Verzapfen
des Apfelweins.
Die erste Frankfurter Apfelweinkelterei wurde 1817 von den
Gebrüder Freyeisen gegründet. Diese Kelterei war schon damals
weltweit aktiv und belieferte zum Beispiel den Sultan des
Osmanischen Reiches mit hessischem Apfelwein. Eigentlich kann
der Apfelwein nicht als Hessens Stammgetränk bezeichnet werden,
denn der Norden und Osten des Landes erweisen sich als
apfelweinfreie Zonen. Besonders im Rheingau und an der
Bergstraße greifen die Bewohner lieber zu Wein.
Hessisches
Apfelwein-ABC
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Alter |
Apfelwein
aus dem letzten Kelter-Jahr |
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Apfelwein |
hessischer
Fruchtwein, 5 bis 6 % Alkohol, beste Trinktemperatur 11
bis 14 Grad, in Frankfurt seit dem 16. Jahrhundert
urkundlich bekannt |
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Äppler |
siehe
Apfelwein |
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Bembel |
dickbauchiger Keramik-Steinkrug |
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Brieh |
Brühe |
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Ebbler |
siehe
Apfelwein |
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Ebbelwoi |
siehe
Apfelwein |
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Faulenzer |
Ausschankgestell, in dem große Bembel leicht gekippt
werden können |
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Fichtekränzche |
Erkennungszeichen für Apfelwein-Wirtschaften |
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Geripptes |
Traditionelles Glas |
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Gespritzder |
Apfelwein
mit Schuss |
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Gorjelschwenker |
Apfelweintrinker |
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Herrschafts-Gespritzter |
Apfelwein
mit Sekt |
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Neuer |
frischer,
ausgegorener Apfelwein aus dem Kelter-Jahr |
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petzen |
trinken |
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Rauscher |
junger,
halbvergorener, ein bis zwei Wochen alter Apfelwein mit
hohem Hefe- und Vitamingehalt, der auf der Zunge bitzelt
und die Verdauung fördert |
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robben |
trinken |
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Salöngche |
Kleines
Apfelweinglas (0,2L) |
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Sauergespritzder |
Apfelwein
mit Mineralwasser |
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schläuchen |
trinken |
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Schnutedunker |
Apfelweintrinker |
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Schoppen |
ein Glas
Apfelwein / Maßeinheit |
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Schoppepetzer |
Apfelweintrinker |
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Schoppestecher |
Apfelweintrinker |
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Sießer |
Apfelwein
frisch aus der Kelter |
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Stöffche |
siehe
Apfelwein |
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Süßgespritztder |
Apfelwein
mit Zitronen-Limonade |
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Tiefgespritzder |
ein Viertel
Apfelwein, drei Viertel Mineralwasser |
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Weiwergesöff |
Apfelwein
mit wenig Alkohol |
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Wermcherbrieh |
Apfelwein
mit wenig Alkohol |
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Zum Blauen
Bock |
Kultsendung
des Hessischen Rundfunks mit Heinz Schenk und Lia Wöhr |
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