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WIENER PRATER


    In Maximilians Jagdgebiet

 

Ursprüngliche Auwälder und Hightech, Trabrennen und   Zuckerwatte – und das alles an einem einzigen Tag. Die Rede ist nicht vom Disneyland in Florida, sondern vom Wiener Prater. Das einstige Jagdgebiet der Kaiser hat für jeden etwas parat, ob Naturliebhaber, Sportler oder Vergnügungssuchender.

Wenige Hauptstädte in der Welt dürften so ein Ding aufzuweisen haben wie wir unseren Prater.“ Ist es ein Park? „Nein.“ Ist es eine Wiese? „Nein.“ Ist es ein Garten? „Nein.“ Ein Wald? „Nein.“ Eine Lustanstalt? „Nein.“ – Was denn? „All dies zusammengenommen.“" schrieb Adalbert Stifter Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bis auf die Mode und einige andere Kleinigkeiten hat sich seither im Wiener Prater nicht viel verändert. Sogar noch länger – den Prater, fast so wie man ihn heute kennt, gibt es seit Jahrhunderten.

Die Entstehung lässt sich recht lückenlos datieren, wer hätte das von einem undefinierbaren „Ding“ gedacht: 1560 schuf Maximilian II in den Auen ein Jagdgebiet zur kaiserlichen Erbauung, Maria Theresia ließ erstmals nicht hoheitliche (aber nur adelige) Gesellschaft herein und 1766 schließlich öffnete Josef II die Pforten für alle. Findige Geschäftsleute bauten im vordersten Teil sofort Hutschen und Rutschen, Schaukeln und Ringelspiele auf. Das war die Geburtsstunde des Wurstelpraters, den einzigen Teil des Pratergeländes, den die meisten Wienbesucher zu Gesicht bekommen. Dabei ist der Vergnügungspark nur ein Bruchstück des Ganzen.
Einen schönen Eindruck erhält man bei einem Spaziergang auf der Hauptallee. Wenn man vom Praterstern in die Schnurgerade Allee einbiegt, hat man viereinhalb Kilometer der Hauptallee, die für  den Autoverkehr gesperrt ist, vor sich. Rein theoretisch hätte man hier schon vor rund 450 Jahren gehen können und wahrscheinlich Ferdinand I beim Morgenspaziergang angetroffen.
Zuerst taucht der Konstantinhügel auf, der aus dem Aushub für die Rotunde entstanden ist. Diese wurde für die Weltexpo 1873 als Ausstellungsgebäude gebaut und ist bereits 1937 wieder abgebrannt. Von Zeit zu Zeit flitzt am weichen Weg zwischen Straße und kiesigem Fußweg ein Jogger oder ein Pferd, mit Fahrer im Schlepptau, vorbei: die Traber der nahen Rennbahn beim Morgentraining.

Die Hauptallee endet am runden Platz in dessen Mitte das Lusthaus aufragt. Es ist gleich alt wie der Prater selbst. Lusthäuser gab es in früheren Zeiten überall und sie haben gar nichts Anrüchiges an sich, sie dienten lediglich „dem Lustgewinn und der Entspannung in Gesellschaft“. Heute befindet sich ein Restaurant darin, denn Essen und Trinken – ist die Passion, um nicht zu sagen Obsession, der Österreicher.
Die geordnete Welt der symmetrischen Hauptallee ist zu Ende. Auf verschlungenen Wegen geht es hinein in ursprünglichen Auwald, seit 1979 ist der untere Teil des Praters Landschaftsschutzgebiet.

Zeit für einen kleinen Imbiss. Die Wahl fällt schwer. An der mittlerweile stark von Radlern, Inlineskatern, Skateboardfahrern und Fußgängern frequentierten Hauptallee finden sich eine handvoll Gastgärten. Restaurants und Kaffeehäuser locken die Hungrigen und Durstigen. Und schon wieder Geschichte: Kurze Zeit nach der Öffnung im Jahre 1766 schossen die ersten Ausschanke, Weinstuben und Wirtshäuser aus dem Boden. Damenkapellen und Schrammelquartette unterhielten die Gäste, Varietébühnen und Billardtische sorgten für Abwechslung. Heute sind es bedeutend weniger Lokale und auch die Unterhaltung ist nicht mehr das, was sie einmal war.

Bei einem Ausflug zur Rennbahn trifft man auf eine illustre Gesellschaft, die sich regelmäßig hier einfindet. Elegante Paare, Pferdebesitzer und Trainer, Yuppies und natürlich die Wettkönige bevölkern den Rennplatz. Letztere haben das Wort: Lautstark diskutieren sie über Pferde, Jockeys und Quoten. Bis zum letzten Moment warten sie um die Wette abzugeben. Schon beim Aufwärmen fasziniert die Kraft, die in den Muskeln der vorbeitrabenden Pferde liegt. Der sekundenlange Schwebezustand im Trab, die geblähten Nüstern, die kraftvollen Bewegungen sind von seltener Ästhetik.
Den Wettenden kommt es da weniger auf Schönheit, als vielmehr auf die Platzierung an. Zehn mal und öfter an einem Renntag haben sie die Chance auf das große Geld. Eine knisternden Atmosphäre liegt beim Start in der Luft. Die Daumen werden gehalten und wenn das nichts nützt werden die Pferde in der Zielgerade angefeuert. Kaum passieren die Pferde das Ziel, ist es, als ob man einem Reifen die Luft raus lässt: Alles zerstreut sich, die Verlierer lassen enttäuscht die Wettscheine fallen, die Gewinner kassieren und alle wenden sich dem nächsten Rennen zu.
Von hier ist es nur ein kurzes Stück zum Wurstelprater. Die Wurstel- oder Kasperltheater, die diesem Teil ihren Namen gaben, sind mehr oder weniger verschwunden. Wie auch die Einrichtungen zum Federball Spielen und Kegeln sowie die meisten Hutschen und Ringelspiele. Nur mehr vereinzelte Nostalgika haben zwischen den modernen Wunderstücken der Technik überlebt. Geblieben hingegen sind Zuckerwatte- und Kukuruz (Mais)-Buden, die aus dem Prater nicht wegzudenken sind. Man sollte sich entscheiden: Essen oder Fahren. Wenn man den diversen Karussellen zusieht, die Loopings drehen, sich im drehen noch mal drehen, die Welt auf den Kopf stellen und mit einem Affenzahn durch die Gegend sausen, fällt es einem von unten schon schwer seinen Mageninhalt zu behalten.

Es gibt aber auch Harmloseres: Dosenwerfen zum Beispiel. Oder Gokart und Autodrom. Schon 1926 fuhr das erste Autodrom im Prater und es ist eine der wenigen Attraktionen, die sich bis heute ihre Beliebtheit erhalten haben. Oder das Riesenrad. Das Wahrzeichen des Praters, 1897 erbaut und spätestens mit Harry Lime zu neuerlichem Weltruhm gelangt, ist eine gemütliche Angelegenheit – obwohl, so ganz oben schaukelt es schon bedenklich. Der einzigartige Blick über Wien entschädigt für das flaue Gefühl.


Weitere Informationen:

Wiener Praterverband
1020 Wien, Prater 9
Tel: 728-05-16
Fax: 728-52-74
info@wiener-prater.at
www.wiener-prater.at

 

 

 

 

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