Erste Pläne Wasserkraft zur
Stromerzeugung in den Hohen Tauern zu nutzen gab es 1928, denn
nach dem Ersten Weltkrieg suchte die Energiewirtschaft neue,
ergiebige Energiequellen. Man stieß im Kapruner Tal auf ein in
den Ostalpen einzigartiges Potential: Zwei riesige Almböden mit
enormem Gefälle als unvergleichliche Möglichkeit, zwischen zwei
Staubecken einen Pumpspeicher-Betrieb anzulegen.
Nach der Weltwirtschaftskrise
wurde das Projekt allerdings 1931 zunächst wieder gestoppt und
erst 1938 von den Nationalsozialisten wieder in Angriff
genommen. Ab 1939 wurden polnische Zwangsarbeiter eingesetzt.
1944 war das Krafthaus und die Zuleitung des Wassers fertig: Es
wurde erstmals Strom geliefert. Luis Trenker dokumentierte die
mühsame und beschwerliche Arbeit an diesem Technik-Koloss mit
seinem Film "Gold aus Gletschern". Den gelernten Architekten
Trenker faszinierten die ungeheuren Dimensionen dieses Bauwerks.
Allein die Wand einer Wassersperre ist fast so hoch wie der
Stefansdom in Wien. Seinen Dokumentarfilm mischte Luis Trenker
mit Spielszenen, in denen sein Sohn Florian mit der
Schauspielerin Marianne Hold auftritt. Florian Trenker spielt
einen Werkstudenten, der am Bau des Kraftwerks mitarbeitet.
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Die Wasserspeicher Mooserboden
und Wasserfallboden bilden ein Reservoir , um den
Spitzenverbrauch an Strom und Wasser abzudecken. Das Kaprun
Oberstufen-Krafthaus am Fuße der Limbergsperre bezieht Wasser
durch einen Stollen im Berg aus dem Speicher Mooserboden. Dieses
Wasser fließt dann in den Speicher Wasserfallboden hinter der
Limbergsperre und wird entweder nachts, wenn der Strombedarf
niedrig ist, mit Pumpen die eine Leistung von 85.000 PS
erbringen, über 385 m Höhe in den Speicher Mooserboden
zurückgepumpt (13m3 Wasser pro Sekunde) oder durch Stollen dem
Krafthaus in Kaprun-Hauptstufe zugeleitet. Mit diesem
Pumpspeicher-Prinzip wird jeder Wassertropfen mehrfach in
elektrischen Strom umgewandelt.
Ein wichtiger Bestandteil
eines Pumpspeicherwerkes ist das Wasserschloss, das in der
Ausstellung mit einem kleinen Versuch erklärt wird. Ein
Wasserschloss ist erforderlich, denn die Durchflussmenge in
Druckrohren und -leitungen, wie die von Speicherkraftwerken,
muss regulierbar sein, weil sich der elektrische Energiefluss im
Netz ändert. Bei der Regelung der Turbinen, mehr noch beim
plötzlichen Schließen oder Öffnen der Druckschieber entstehen
starke Druckstöße, die sich mit hoher Geschwindigkeit fort
pflanzen, wie die schnelle Reaktion des Wasserspiegels auf die
Verschlussbetätigung im Versuch zeigt.
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Durch diese Druckstöße könnten
Stollen und Rohre bersten. Das Wasserschloss dämpft die Wirkung
dieser Stöße. Beim Verschließen weicht das Wasser, das sich
durch das Druckrohr bewegt, in das Wasserschloss aus. Sofort
kommt es zu einer pendelnden Bewegung des Wasserspiegels, der
Wasserschlossschwingung. Es ist am oberen Ende des Druckrohres
angebracht und nimmt mit seiner freien Oberfläche den Druckstoß
auf und kehrt ihn um. Die kinetische Energie des fließenden
Wassers im Druckstollen wird in die potentielle Energie des
erhöhten Wasserspiegels im Wasserschloss umgesetzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
baute Österreich mit amerikanischer Hilfe weiter und 1951 wurde
die 120 m hohe und 350 m lange Limbergsperre mit dem Kaprun
Oberstufen-Krafthaus eingeweiht. 446.000 m3 Beton
wurden dafür benötigt. Gleichzeitig begann der Bau der
Moosersperre, die 104 m hoch, 462 m lang und an der Basis 70 m
dick ist. Ihr Bau verschlang 665.000 m3 Beton. 1953
wurde schließlich der Bau der Drossensperre in Angriff genommen.
Sie ist 112 m hoch und 357 m lang, 335.000 m3 Beton
wurden darin verbaut. 1955 war die gesamte Anlage des
Tauernkraftwerks fertig. "Was für das Mittelalter die
Kathedralen, sind für die Gegenwart die modernen Bauten der
Technik", wurde stolz bei der Inbetriebnahme vermerkt.
Pelton-Turbinen in Verbindung mit Generatoren der Firma
Escher-Wyss erzeugen jährlich 486 Millionen kWh.
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