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GROSSVENEDIGER


    "Die weltalte Majestät"

 

Die Bezeichnung "weltalte Majestät" stammt von Ignaz von Kürsinger, dem Initiator der Erstersteigung des Grossvenedigers. Und er hatte nicht ganz unrecht, zählt doch der Großvenediger zu den beeindruckendsten Gletscherbergen der Ostalpen und bildet mit seinen sternförmig ausgerichteten Graten ein weites, majestätisches Dach aus Eis und Schnee. Durch seine exponierte Lage reicht der Gipfelblick bei Schönwetter bis zur Bernina und zum Ortler - und nicht bis Venedig, wie man früher annahm.

"Weltalte Majestät", nannte Ignaz von Kürsinger, der Initiator der Erstersteigung, den Hauptgipfel der Venedigergruppe. Der Name "Grossvenediger" tauchte erst 1797 im Protokoll einer Grenzbeschau auf, womit auch die Diskussion um dessen Bedeutung begann. Er stamme von italienischen Händlern, die von Süden (Venedig) über das Gebirge kämen, behaupteten die einen, nein, der Name rühre von der Fernsicht bis Venedig her, hielten die andere dagegen. 1873 errechnete gar ein Oberrealschullehrer, dass der Blick vom Venediger sogar weit über die rund 180 Kilometer entfernte Lagunenstadt hinaus reichen müsse. Dem Herrn Lehrer unterliefen allerdings einige Fehler in der Berechnung. Und die Sicht zum Mittelmeer ist außerdem noch durch die Sextener Dolomiten verbaut.

Auch was die Höhe des Grossvenedigers angeht, ziehen sich grundverschiedene Deutungen bis in die heutige Zeit. Von 3674 Metern ist da die Rede, von 3656m dort usw., in der Literatur findet man im Zeitalter von GPS- und Satellitenmessung soviel Höhenangaben, wie man will ...
Doch nicht nur Kartographen, auch die Erschliesser des Hochgebirges nahmen vergleichsweise spät Notiz von der "verborgenen Majestät". Amerika war längst entdeckt, 1786 der Gipfel des Montblanc, 1800 der des Großglockner erstbestiegen, als Anfang August 1828 in Neukirchen 17 Männer mit dem Grossvenediger als Ziel aufbrachen. Zu ihnen gehörte auch der bergbegeisterte Erzherzog Johann und der als Bergführer engagierte Gamsjäger Paul Rohregger aus Bramberg. Der Versuch misslang und endete beinahe in einer Katastrophe, weil Rohregger nur 150 Meter unter dem Gipfel von einer Lawine in die Tiefe gerissen und schwer verletzt wurde.

Für die nächsten 13 Jahre hatten Majestät wieder Ruhe vor aufdringlichen Bewerbern. Ehe jedoch Auswärtige "der höchsten Zinne des Landes" zu nahe treten konnten, machte Ignaz von Kürsinger, Amtspfleger zu Mittersill, die Ersteigung des Berges zur nationalen Angelegenheit aller "ehrengeachteten Oberpinzgauer". Am 27. August 1841 erschien im Amts- und Intelligenzblatt eine von ihm unterzeichnete Einladung "zur Teilnahme an der Exkursion zu dem im Bezirke befindlichen Bergriesen, den noch keine menschliche Seele erstiegen hat". Nicht zuletzt in Erwartung der versprochenen "unbegrenzten Aussicht" machten sich 40 Teilnehmer samt Fahnenträger und Trompeter am 2. September 1841 auf den Weg. Einen Tag später erreichten 26 von ihnen den Gipfel.

Mit Sicherheit ist der Grossvenediger einer der bekanntesten und meistbesuchten Alpengipfel. Schließlich ist er ja auch von vielen Aussichtsgipfeln östlich der Schweizer Grenze deutlicher auszumachen als der noch höhere Grossglockner und außerdem von allen Eisgipfeln Österreichs am leichtesten zu erreichen. Man sieht ihn übrigens auch bei guter Fernsicht von Rosenheim aus (direkt durch das Inntal). Er ist der höchste Gipfel des Bundeslandes Salzburg und der zweithöchste im Nationalpark Hohe Tauern.

Von der Form her gleicht er einer nicht zu steilen Pyramide mit vier langen Graten, zwischen denen ebenso vier große Gletscher beginnen. Über sie führen die wegen der Gletscherspalten nicht ungefährlichen, aber ansonsten problemlosen Normalanstiege. Bei allen vier Anstiegswegen handelt es sich um reine Gletschertouren. Bekannte Erhebungen sind neben dem Hauptgipfel der Kleinvenediger, die Schwarze Wand, das Rainerhorn und der Hohe Zaun. Die Eichhorngruppe im Südosten wirkt fast wie ein eigenes Gebirge. Auch das bekannte Virgental gehört zur Venedigergruppe. Ein Ausläufer im Norden ist die Riesenfernergruppe, andere Ausläufer wie z. B. der Durreckkamm reichen bis nach Südtirol. Dort liegt auch der berühmtestes Bergbauernhof Südtirols, der "Kofler zwischen den Wänden".

 

 

 

 

 

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