Wie so oft in Salzburgs Geschichte ist auch der Bauherr von Schloss Mirabell
ein geistlicher Würdenträger und als Erzbischof das damalige politische
Oberhaupt des reichen Erzbistums Salzburg. Fürsterzbischof Wolf Dietrich von
Raitenau ließ im Jahre 1606 außerhalb der Stadtmauern für die Salzburger
Bürgertochter Salome Alt ein Schloss errichten, das er "Altenau" nannte.
Salome
Alt, Tochter des hochangesehenen Kaufsmanns und Ratsherrn Wilhelm Alt, war die
große Liebe von Wolf Dietrich. Salome Alt gebar ihm 15 Kinder, von denen 10 am
Leben blieben. Das Schloss Altenau sollte der Geliebten und ihren Kindern ein
würdiger Wohnsitz sein, waren sie doch sonst von vielen gesellschaftlichen
Ereignissen ausgeschlossen, da Wolf Dietrich als Geistlicher seine Salome nicht
heiraten durfte und die gemeinsamen Kinder als „unehelich“ galten.
Seinen heutigen Namen erhielt das Schloss von Wolf Dietrichs Nachfolger
Markus Sittikus (1612 - 1619). Er ließ Altenau nach dem Tode Wolf Dietrichs – er
wurde 1612 zu Abdankung gezwungen und bis zu seinem Tod auf der Festung gefangen
gehalten – in „Mirabell" umbenannt. Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron (1619
- 1653) bezog durch seine Befestigungsanlagen Schloss und Garten in das
Stadtgebiet ein. Er schätze das Schloss als Aufenthaltsort sehr und verstarb
hier auch am 15. Dezember 1653.
Fürsterzbischof Franz Anton Fürst von Harrach ließ Schloss Mirabell von 1721
bis 1727 von dem bekannten Barockbaumeister Lukas von Hildebrandt großzügig
umbauen und zu einer geschlossenen Anlage zusammenfassen. Bei dem großen
Stadtbrand am 30. April 1818 wurde das Schloss schwer beschädigt. Dem Brand
fielen unter anderem die Fresken von Johann Michael Rottmayr und Gaetano Fanti
zum Opfer. Der großen Marmortreppe, die ins Schloss führt, und dem Marmorsaal
konnten die Flammen glücklicherweise nichts anhaben.

Seine heutige, eher nüchterne Gestalt verlieh Peter de Nobile, Hofbaurat und
Direktor der Architekturschule in Wien, dem Schloss. In Details wie
Fensterumrahmungen, Kapitelle und Stuckwerk kann man Pomp und Glanz der früheren
Architektur erahnen. Zu den größten Kunstschätzen von Schloss Mirabell zählt das
Treppenhaus des Meisters Lukas von Hildebrandt. Die Marmor-Balustrade zieren
anmutige Engelchen. Die Skulpturen in den Nischen, geschaffen von Georg Raphael
Donner (1726), zählen zu den schönsten Schöpfungen des europäischen Barock.
Die Fassade zum Mirabellplatz ist in der Mitte durch einen flachen
dreiachsigen Mittelresalit mit Riesenpilasterordnung in den oberen Geschossen
und durch die triumphbogenartige Portalgruppe mit Säulen (Altan) geprägt. Im
Innenhof ist die Fassade des Westtrakts am Reichsten ausgeführt: Drei
Mittelachsen mit Riesenpilasterordnung, rustiziertes Erdgeschoß, reiche
Stuckverzierung der Fenster und das sich in hohen Rundbogenarkaden öffnende
Vestibül mit einem Rotmarmorportal (eingezogener Rundbogenabschluss mit
Kriegerbüsten und zwei Nischen mit Statuen).
Der ehemalige Festsaal des Fürsterzbischofs, der Marmorsaal, gilt heute als
einer der schönsten Trauungssäle der Welt. Hier haben schon Vater Leopold Mozart
und seine Kinder Wolfgang und Nannerl musiziert, wenngleich sie damals ein
feierliches Dinner und keine Hochzeit musikalisch umrahmten. Darüber hinaus
dient der Marmorsaal als repräsentativer Rahmen für Tagungen, Ehrungen und
stimmungsvolle Konzerte (Salzburger Schlosskonzerte).
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Der
Mirabellgarten ist eine geometrische Gartenanlage mit Skulpturen
aus der antiken Mythologie und hat sich seit der Neugestaltung
1730 kaum verändert. Auf der Westseite des Parterres befindet
sich ein Heckentheater (eine Freilichtbühne, deren Wände und
Auftrittsgassen von geschnittenen Hecken gebildet werden), der
Zwerglgarten mit lustigen Marmorzwergen und das Vogelhaus. Der
prächtige Rosengarten vor dem Schloss ist durch eine Balustrade
eingefasst. Dort lassen sich in Verbindung mit einer
standesamtlichen Trauung wunderschöne Momente auf
Erinnerungsfotos festhalten.
Der
Mirabellgarten ist frühbarock nach französisch-italienischer
Manier. Die geometrische Grundordnung betont in paralleler Form
die Längsachse, die den Garten optisch auf Dom und Festung hin
ausrichtet, bei nordöstlicher Ecklage des Schlosses. Die zwei
entscheidenden spätbarocken Umgestaltungen des Gartens unter den
Erzbischöfen Johann Ernst Graf Thun (1687 - 1709) und Franz
Anton Fürst von Harrach (1709 - 1727) entsprechen jenen des
Schlosses. Sie brachten spätbarocke Formenvielfalt in die
ursprüngliche Klarheit des Gartenplans, indem sie neue
Gartenräume ausgliederten: das kleine Parterre der Linden- und
Buchenspaliergänge, den Bastionsgarten, das Heckentheater, den
Rosenhügel und den Zwerglgarten. Die Zwerglfiguren stammen aus
dem Besitz von Erzbischof Harrach. Damals gehörte der Haus- und
Hofzwerg noch zum Gefolge des Herrschers. Diese grotesken
Gestalten sind erdnahe Gnomenvorstellungen manieristischer
Phantasie. Die sichtbare Mitte des Gartens hält aber nach wie
vor der Springbrunnen. Die Statuengruppen, die der Italiener
Ottavio Mosto 1690 schuf, versinnbildlichen die vier Elemente.
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In seiner langen Geschichte war Schloss Mirabell immer Herberge berühmter
Persönlichkeiten. Am 1. Juli 1815, als Salzburg für kurze Zeit zu Bayern
gehörte, wurde im Schloss Mirabell Prinz Otto von Bayern, späterer König von
Griechenland, geboren. Im Jahr darauf wurde Salzburg wieder "österreichisch" und
Schloss Mirabell kam als Sommerresidenz in kaiserlichen Besitz. 12 Jahre lang,
von 1851 bis 1863 bewohnte Erzbischof Kardinal Maximilian Josef von Tarnóczy das
Schloss. Der legendäre Kapuzinerpater Joachim Haspinger, treuer Gefährte und
Kampfgenosse des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer, wohnte vom 4.9. 1854
bis 12.1.1858 als Gast seines Kaisers im Schloss Mirabell und ist auch dort
gestorben; eine im Schlosshof angebrachte Gedenktafel erinnert an ihn. Heute
befinden sich im Schloss die Amtsräume des Salzburger Bürgermeisters und der
Stadtverwaltung.
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