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SCHLOSS EGGENBERG

    Die Zeit in einem Bauwerk inszeniert

 

Am Westrand von Graz liegt die bedeutendste Schlossanlage der Steiermark – Schloss Eggenberg. Das Schloss  und sein Park ist in der Gegenwart ein unverzichtbarer Bestandteil der steirischen Kultur.

Zwischen 1460 und 1463 kaufte Balthasar Eggenberger auf den Algersdorfer Feldern, wo seine Frau Radegundis Weingüter besaß, den befestigten Edelsitz "Orthof", der an einem uralten Verkehrsweg lag. Der Hof wurde in der Folge großzügig erweitert und umgestaltet, wie es der sozialen Stellung eines erfolgreichen Kaufmanns der Grazer Bürgerschaft entsprach.

1625 wurde mit dem Bau des Schlosse begonnen. Bauherr war Fürst Hans Ulrich von Eggenberg, der die politischen Geschicke des Reiches zur Zeit des 30jährigen Krieges lenkte. Die Anlage war als Ausdruck der steilen politischen Karriere des Fürsten gedacht und gleichzeitig symbolische Darstellung seines humanistisch geprägten Weltbildes. Die Schlossanlage, von Pietro de Pomis errichtet, wurde nach spanischem Vorbild gestaltet.

Eine Reise ins Weltall. Die Zeit in einem Bauwerk inszeniert. So könnte man Schloss Eggenberg beschreiben, denn die Besonderheit des Schlosses ist seine Ausrichtung nach dem astronomischen und mathematischen Wissen des 16. Jahrhunderts (Einführung des Gregorianischen Kalenders). So verfügt das Schloss über 365 Fenster, genauso viele wie das Jahr Tage hat. Die vier Ecktürme des Schlosses kennzeichnen die vier Jahreszeiten, sowie die Außenfassaden die vier Himmelsrichtungen markieren.

Der aus Lodi bei Mailand stammende Giovanni Pietro de Pomis war über die Vermittlung von Erzherzog Karls Bruder Ferdinand aus Innsbruck an den Grazer Hof gekommen. Als Architekt, Maler und Medailleur stieg er zum wichtigsten Künstler und Wortführer der gegenreformistischen Politik auf. Für die Familie Eggenberg war er nicht nur als Architekt, Maler und Medailleur tätig. Er errichtete auch die erste Grazer Menoritenkirche als Grablege für die Eggenbergs, nach dem Vorbild Palladios' San Giorgio Maggiore, und fertigte den Entwurf für das Mausoleum Ruprechts von Eggenberg am Ehrenhausener Burghügel. Mit Hans Ulrich von Eggenberg reiste er zweimal an den spanischen Hof.

Die Ausstattung im Sinne barocker Prachtentfaltung erfolgte erst in der nächsten Generation, unter Fürst Johann Seyfried (1644-1713), der dazu eine ganze Künstlerkolonie anstellte. Johann Leopold Herberstein, der dritte Gemahl der letzten Prinzessin Eggenberg (die Familie starb aus), erneuerte die Gartenanlage und sorgte zwischen 1754 und 1762 für eine zweite große Ausstattungsperiode im Geschmack des Rokoko. Um 1850 wurden die Wohnräume im ersten Stock vom Wiener Architekten Flohr zeitgemäß adaptiert.

Schloss Eggenberg weist verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Typus der spanisch-habsburgischen Schlossbauten der Zeit Philipps II. auf, wobei das Kloster El Escorial bei Madrid (1563-1586) als wichtigstes Vorbild diente. Neben dem optischen Grundeindruck fallen eine Reihe stilistischer Ähnlichkeiten auf. Wie El Escorial so ist auch Schloss Eggenberg auffallend schmucklos, die Horizontalität der Fassaden wird betont, die Ecken sind turmartig erhöht und das Zentrum des Baus bildet ebenfalls die Gegenüberstellung von Festsaal und Kirchenraum. Die wichtigste Gemeinsamkeit bildet die Zeichenhaftigkeit der Architektur, der jeweils ein umfassendes intellektuelles Konzept unterlegt ist, das die Vorstellungen der Natur des Universums der jeweiligen Bauherren symbolisch wiedergibt.

Am Dachgiebel der Vorderseite befindet sich das Wappen der Eggenberger, das eine Fürstenkrone zeigt, die von drei Raben gehalten wird, und über dem Haupteingang verkündet eine Inschriftentafel, dass hier im Jahre 1673 die Hochzeit Kaiser Leopolds I. mit der Erzherzogin Claudia Felicitas von Tirol gefeiert wurde. (Ave Claudia Imperatrix = Es lebe Claudia die Kaiserin)

Der künstlerische Höhepunkt von Schloss Eggenberg bildet der als "Planetensaal" bezeichnete Festsaal der Eggenberger Beletage. Der neue fürstliche Hofmaler Hans Adam Weissenkircher hat den Zyklus mit Planeten, Elementen, Sternbildern und dem Tierkreis zur Verherrlichung der Familie Eggenberg gemalt.

Schloss Eggenberg ist in mehrfacher Hinsicht sehenswert: Die Prunkräume sind der Höhepunkt jeden Besuches. Daneben lädt der in seiner heutigen Form aus dem 19. Jahrhundert stammende Landschaftspark zum Flanieren ein. Im 17. Jahrhundert wurde der Hofgarten mit steinernen Trophäen und Büsten von Johann Baptist Fischer, dem Vater Fischers von Erlach, sowie vom Bildhauer Andre Marx ausgestattet. Das Schloss beherbergt übrigens auch die zweitgrößte Münzsammlung Österreichs, und in der archäologischen Abteilung ist der berühmte "Kultwagen" von Strettweg (600 v. Chr.) zu bewundern. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Konzerte, die in Schloss Eggenberg veranstaltet werden. So finden im Planetensaal die Konzerte der klassischen Musikfestspiele styriarte statt.

Nach dem Zeiten Weltkrieg erwarb das Land Steiermark Schloss Eggenberg und gliederte es 1947 dem Landesmuseum Joanneum ein. Im Schloss sind heute verschiedene Sammlungen des Landesmuseums untergebracht. Die Prunkräume des Schlosses sind nur mit einer Führung zu besichtigen.


Weitere Informationen:

Schloss Eggenberg
Eggenberger Allee 90, 8020 Graz
T 0043/316/583264-0 oder 0043/316/8017-9599
F 0043/316/ 583264-9555
lmj-egg@stmk.gv.at
www.museum-joanneum.steiermark.at
 

 

 

 

 

 

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