Um 1435 kaufte Jörg von Puchheim drei Häuser an der Freyung, welche er
baulich verbinden und zu einer Wohnstätte umbauen liess. Um 1600 wurde das
Anwesen von Reichsgraf Karl von Harrach gekauft, und 1658 ging es in den
Besitz der Familie Auersperg über. Nachdem das Gebäude während der
Türkenbelagerung 1683 niedergebrannt war, kaufte Ferdinand Bonaventura Graf
von Harrach das Anwesen und brachte es somit wieder in den Besitz derer von
Harrach. Er liess die Brandruine beseitigen und nach Plänen von Domenico
Martinelli das heutige Palais bauen. Um 1696 war die Innenausstattung
vollendet.
Das Palais Harrach steht am Beginn der Entwicklung des hochbarocken
Palastbaues in Wien. Die dreizehnachsige Fassade an der Freyung wird durch
die beiden übergiebelten zweiachsigen Seitenrisalite und ein rundbogiges
Portal in der Mitte betont. Die senkrechte Gliederung erfolgt durch
korinthische Riesenpilaster, die alle drei Geschosse zusammenfassen. Die
Fenster der Beletage sind mit segmentbogigen und dreieckigen Verdachungen
versehen. Über dem repräsentativen Mittelportal springt ein, auf zwei
freistehenden toskanischen Säulen ruhenden Steinbalkon vor. Zwei
Rundbogennischen flankieren das Tor. Über dem Mittelfenster ist ein
steinernes Wappen der Familie Harrach angebracht. An den Enden der
Hauptfront gibt es zwei kleinere und einfachere Rundbogentore.
Die zur
Schottengasse gerichtete Seitenfassade ist konkav geknickt. Das vieleckige
Treppentürmchen ist ein Rest des abgerissenen Wintergartens. Das hinter dem
Hauptportal liegende querovale Vestibül führt durch ein Rundbogentor zum
rechteckigen Großen Hof. Seine Pfeilerarkaden sind verglast bzw. verblendet.
Eine Hofecke ist mit einem Brunnen geschmückt, dessen Wasserspeier als Maskaron ausgebildet ist. Im gesprengten Segmentgiebel des Brunnenaufsatzes
steht eine große steinerne Ziervase. An der linken Hofseite führt ein
Durchgang zum Kleinen Hof, der an das benachbarte Palais Ferstel grenzt.
Auch seine Pfeilerarkaden sind heute weitgehend verglast. Die Verbindung zur
Ferstel-Passage wurde erst bei der letzten großen Renovierung geschaffen.
Vom Vestibül gelangt man rechts zur Sala terrena. Dieser Eckraum im rechten
Seitenrisalit stellte seinerzeit die Verbindung zum heute nicht mehr
existierenden Garten her.
Die Stuckarbeiten stammen von Johannes Piazoll, und Antonio Beduzzi schuf
die restlichen Dekorationselemente. Fälschlicherweise glaubte man lange, der
Architekt Johann Lucas von Hildebrandt hätte das Palais Harrach erbaut. Von
ihm stammte jedoch nur das kleine Salettl, welches auf dem seitigen Vorplatz
einst existierte. Damals befand sich hier ein kleiner Palaisgarten, einer
der wenigen, welche sich im Stadtzentrum befanden. Um 1844 liess Franz Ernst
Graf von Harrach am Palais umfangreiche Umbauten vornehmen. Um 1850
erneuerte man auch das Innere, was hauptsächlich unter Franz Schönthaler
geschah. Nachdem Bomben im Zweiten Weltkrieg grosse Schäden am Palais
Harrach verursacht hatten, wurde in den Nachkriegsjahren bis 1952 der
ursprüngliche barocke Zustand weitgehend wiederhergestellt.
Danach
beherbergte das Palais eine wertvolle private Gemäldesammlung,
welche dann jedoch nach Schloss Rohrau in Niederösterreich
verlegt wurde.
Die Fassade auf der Seite der Herrengasse hat weitgehend noch immer ihre
ursprüngliche frühbarocke Gestalt, während die Hauptfassade gegen die
Freyung im Zuge der Umbauten von 1844 wesentlich verändert wurde. In den
prachtvollen Sälen im ersten Stock befindet sich heute eine Aussenstelle des
Kunsthistorischen Museums. Das Kuppelfresko in der Hauskapelle ist ein Werk
von Michael Rottmayr. Die Decke der Galerie weist ein beeindruckendes
barockes Deckengemälde auf, welches eine mythologische Szene zeigt.
Auffallend ist der edle rote Marmor aus welchem Portalrahmen und das
Balustradengeländer des reich stuckierten Treppenhauses gearbeitet sind.
|