Das Kunsthaus Bregenz ist ein Ausstellungshaus aktueller Kunst und ein Ort
der Auseinandersetzung mit Kunst und Gestaltungsfragen. Das Tageslichtkonzept in den
Ausstellungsräumen sowie ein energiesparendes Klimasystem schaffen ein ideales
Umfeld für die Kunstwerke. Dem Ausstellungshaus vorgelagert ist ein in
geschwärztem Beton ausgeführtes Verwaltungsgebäude, in dem sich das KUB-Cafe und
der Museumsshop befinden.
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Der Schweizer
Architekt Peter Zumthor hat mit seiner städtebaulichen
Disposition der beiden Gebäude Einbindung und Autonomie im
Kontext zwischen Kornmarkttheater und Bodenseeufer erreicht. Das
niedrigere Verwaltungsgebäude nimmt die Höhen der umliegenden
Häuser auf, der freistehende Turm des Ausstellungsgebäudes
signalisiert Bedeutsamkeit durch Fernsichtwirkung, beide
begrenzen einen offenen Platz als Forum für das Kunstpublikum.
Zwar ist die Form des Turmes auch mit Grundflächenersparnis
argumentierbar, doch wollte Zumthor damit mehr: Das Haus ist ein
Ort für Kunstwerke und Menschen. Die Ruhe des Raumes und die
kontemplative Haltung gegenüber der Kunst werden als Aussagen
einer Architektur formuliert, die über die elementare
Wechselwirkung zwischen Licht und Materie entstehen. Zumthors
Baukunst ist kompromisslos und dominant zugleich. Die
Ausstellungsräume in den drei Obergeschoßen werden jeweils von
drei L-förmigen Betonscheiben begrenzt, welche die
Treppenaufgänge und Aufzüge verdecken, um die Ausschließlichkeit
der räumlichen Wahrnehmung nicht zu stören. Natur- und
Kunstlicht werden ausschließlich über die Geschoßzwischendecken
eingeleitet, womit der Blick ins Freie versperrt wird.
Kunst und Baukunst stehen also im Mittelpunkt der Betrachtung
und in einem Licht, das auf eine Weise gedämpft ist, dass der
Maximalkontrast zwischen Hell und Dunkel kaum entstehen kann,
was auf die Dauer recht ermüdend ist. Wie auch die
perfektionierte Eindimensionalität, das Hierarchische der Räume
sich von der Komplexität des tatsächlichen Lebens deutlich
abgrenzt. Hier werden noch die einfachen Wahrheiten von Materie,
Proportionen und Lichtwirkungen hochgehalten, auch an der
Fassade mit ihrer semitransparenten Haut aus geätzten
Glasschindeln.
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Wer sich auf das
Spiel einlässt – und die Künstler müssen das wohl – wird
allerdings belohnt. Die außenliegende Glasschindelfassade – eine
tragende Konstruktion vor der eigentlichen Gebäudehülle –
reflektiert ähnlich wie bei Norman Fosters ITN-Gebäude in London
die klimatischen Veränderungen, lässt aber zugleich Bewegungen
im Inneren des Turmes erkennen. Die Modulation des Lichts als
Verbindungselement zwischen Innen und Außen, ohne deshalb
ausgewiesene Baustrukturen bemühen zu müssen, zählt sicherlich
zu den bemerkenswertesten Aspekten dieser Architektur. Wie auch
die bewusste Verschleierung technischer Aspekte zugunsten einer
sehr hohen Materialpräsenz in einer Konsequenz zu Ende gedacht
wurde, die in ihrer Haltung gegenüber dem Pragmatismus der
gegenwärtigen österreichischen Architektur, weniger in ihrer
„Kopierfähigkeit“ beeindruckt.
Einstürzende Altbauten haben
manchmal auch ihr Gutes. Die ursprünglich zum Projekt Kunsthaus Bregenz gehörige
Altsubstanz brach während der Sanierung endgültig zusammen, so dass für den
Architekten Peter Zumthor Platz und Weg frei waren, ein zweites Haus zu bauen,
das Verwaltung und Cafeteria aufnehmen kann, kurzum alles, was nicht unmittelbar
mit der Kunst zu tun hat. Das eigentliche Kunsthaus konnte dadurch um so purer
geraten.
Weitere Informationen:
Kunsthaus Bregenz
Karl Tizian Platz
6900 Bregenz
T +43 5574 48594-0
F +43 5574 48594-8
kub@kunsthaus-bregenz.at
www.kunsthaus-bregenz.at
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