Walzer, Wien und weiße Pferde - das gehört in Österreich
zusammen. Die Spanische Hofreitschule ist die einzige
Institution der Welt, in der seit 1572 die klassische Reitkunst
in reinster Form gepflegt und präsentiert wird.
Nur
wenige Meter vom prachtvollen Barockbau entfernt sind in der
Stallburg, dem bedeutendsten Renaissancebau Wiens, die
Stallungen der weltberühmten Pferde untergebracht. Hier befindet
sich auch, in den Räumlichkeiten der denkmalgeschützten
Hofapotheke, das Lipizzaner Museum, das die spannende Geschichte
der Lipizzaner dokumentiert. Eine besondere Attraktion sind zwei
Durchblicke, durch die man die berühmten Pferde beobachten kann.
Das Spanische in ihrem Namen leitet die Spanische Hofreitschule
von der auf der iberischen Halbinsel heimischen Pferderasse ab,
die sich als besonders befähigt für die klassische Reitkunst
erwies und schon zur Römerzeit berühmt war.
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Die Hohe Schule
der Reiterei erlebte Ende des 15. und zu Beginn 16. Jahrhunderts
eine Wiedergeburt, als die Renaissance in die Herrscherhöfe
Einzug hielt. Eingeführt wurde die Zucht spanischer Pferde in
Österreich um 1562 durch Erzherzog Maximilian. Um die adelige
Reitkunst am österreichischen Kaiserhof zu vervollkommnen, wurde
bereits 1572 in Wien ein "Spanischer Reitstall" gegründet. Sie
ist ein Relikt der höfischen Prunk- und Festkultur, basierend
auf der klassischen Reitkunst der Griechen. Und doch beruht
diese Kunst ausschließlich auf den natürlichen Bewegungsabläufen
der Pferde. Die Lernfähigkeit der Lipizzaner erwies sich als
dermaßen ausgeprägt, dass sie noch heute die ganze Welt in ihren
Bann ziehen. Seit 1921 ist das Gestüt Piber in der Steiermark
die Heimat der Lipizzaner.
Doch nur die besten und talentiertesten Hengste werden an einer
eigenen "Akademie" für die einzigartigen Vorführungen der
Spanischen Hofreitschule aufgenommen. Es beginnt eine intensive
Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd, die auf Vertrauen
basiert und dem Zuschauer ein Bild der vollkommenen Harmonie und
Perfektion vermittelt. Die Junghengste lernen etwa die
Pirouette, bei der ein Hengst drehende Galoppsprünge um die
eigene Hinterachse ausführt oder die Piaffe - den Trab auf der
Stelle. Bis der junge Hengst ein Meister seines Faches geworden
ist, dauert es etwa acht bis zehn Jahre. Diese hohe Schule der
Dressur wird ausschließlich mündlich weitergegeben - von
Bereiter zu Bereiter, von Generation zu Generation.

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Nicht immer war
das Schicksal der Lipizzaner ungetrübt. In den letzten Tagen
des 2. Weltkriegs drohten die edlen Pferde den Russen in die
Hände zu fallen. Die "Operation Cowboy", vom beherzten
US-General George Patton durchgeführt, sicherte der
Spanischen Hofreitschule in Wien ihren Fortbestand. Unter
dem Schutz amerikanischer Panzer wurden Hunderte Zuchtpferde
über die deutsch-böhmische Grenze in den Westen geschleust. |
Die weißen Pferde
verdanken ihren Namen dem Dorf Lipica im heutigen Slowenien, in
dessen Nähe 1580 das einstige Hofgestüt mit spanischen Pferden
gegründet wurde. Die Lipizzaner sind das Ergebnis
jahrhundertelanger Züchtung aus spanischem, italienischem und
arabisch - orientalischem Blut. Sie zeichnen sich durch einen
vollendeten, edelgeformten Körperbau, graziöse Bewegungen,
Lerneifer, Lebhaftigkeit, Gutmütigkeit Mut, Härte und Ausdauer
aus. Sein äußeres Erscheinungsbild weist alle Merkmale des
typischen barocken Prunk- und Paradepferdes auf. Ein Lipizzaner
besitzt einen ausdrucksvollen Kopf mit großen Augen. Die
Nasenlinie ist gerade, selten weist sie eine leichte Krümmung
auf und wird dann "Ramsnase" bezeichnet. Der Hals ist kräftig,
kurz und hoch aufgesetzt und bringt so die Voraussetzungen für
die elegante stark gebogene Haltung.
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Dazu kommen ein
verhältnismäßig niedriger Widerrist, ein kräftiger Rücken, der
in eine muskulöse Kruppe ausläuft, betonte Körperproportionen
und trockene, profilierte Gliedmaßen mit starken, gut
ausgebildeten Gelenken und formschönen Hufen. Dazu besitzt der
Lipizzaner einen dichten und feinhaarigen Schweif und eine
ebensolche Mähne. Seine Größe beträgt 155 bis 158 cm Stockmaß.
Der Gang federt, der Lipizzaner besitzt eine höhere Knieaktion
und ist besonders grazil in seiner Ausdrucksform. Der Lipizzaner
reift spät, er erreicht dafür aber ein hohes Alter, das nicht
selten 28 bis 32 Jahre beträgt.
Die traditionelle
Dienstkleidung der Bereiter der Spanischen Hofreitschule besteht
aus einem schwarzen Zweispitz mit schräger Goldborte, der der
Breite nach getragen wird, einem Frack (aus braunem
Trevirakammgarn) und einer Rundbundhose aus weißem Hirschleder.
Dazu werden Stulpenstiefel aus schwarzem Leder und dazugehörige
Sporen sowie weiße Raulederhandschuhe getragen.
Morgenarbeit
mit Musik:
Die Morgenarbeit findet Dienstag bis Samstag in der Zeit von
10.00 bis 12.00 Uhr statt. Im Februar auch an Montagen.
Für die Morgenarbeit werden Kartenreservierungen nicht
vorgenommen, Gruppen jedoch vorgemerkt. Karten sind im
Besucherzentrum, Michaelerplatz 1 von Dienstag bis Samstag von
09.00 - 17.30 Uhr erhältlich.
Vorführungen der Spanischen Reitschule:
Eintrittskarten können direkt bei der Spanischen Hofreitschule
schriftlich bestellt werden, sind aber auch bei Karten- und
Reisebüros in Wien erhältlich.
Weitere Informationen:
Spanische
Hofreitschule Wien
Michaelerplatz 1
1010 Wien
Info-Hotline: +43 1 533 90 31
Fax: +43 1 533 90 32 40
www.spanische-reitschule.com
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