„Speis und Trank
halten Leib und Seele zusammen“ – so ein altes Wiener
Sprichwort.
Man hat
Wien nicht gesehen, gefühlt, geschmeckt, wenn man nicht in einem
Wiener Kaffeehaus Zeitung gelesen oder beim Heurigen „ein
Achterl“ (ein Glas Wein) getrunken hat.
Der
"Heurige" ist eine typische Wiener Einrichtung, die weltweit
einzigartig ist. Wenn das Heurigenlokal "ausg´steckt" hat,
trifft man sich während des Tages zu einer kleinen Jause oder am
Abend zu einem gemütlichen Beisammensitzen. Zum "G´spritzen"
oder dem Viertel "Weiß" oder "Rot" darf ein "Schmankerl" vom
Heurigenbuffet nicht fehlen.
Der Heurige gehört zu Wien wie
das Riesenrad oder das Schloss Schönbrunn - der Heurige ist ein
Stück Wiener Geschichte.
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Der typische
Heurige, der auch oft Buschenschank genannt wird, ist eher klein
und es wird nur Wein ausgeschenkt. Der Wein wird zum Tisch
gebracht, kleinere Gerichte können sich die Gäste direkt vom
Büffet holen. Das typische Heurigen Essen besteht aus Liptauer-
oder Grammelschmalzbrot, Backhendl mit Erdäpfelsalat oder
Selchfleisch mit Kren. Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte
sich in eine der Wiener Heurigen Gegenden begeben. Allerdings
ist der "echte" Heurige nicht zu verwechseln mit den großen
Heurigen-Restaurants, wo oft in volkstümlicher
Schunkelatmosphäre ein Touristenprogramm abläuft.
Typische Heurigen-Gegenden sind Grinzing (Tram 38, einige
Geheimtipps abseits der großen Heurigen-Restaurants), Sievering
und Heiligenstadt, Stammersdorf und Strebersdorf nördlich der
Donau mit vielen ursprünglichen Heurigen, Oberlaa,
Gumpoldskirchen, Perchtoldsdorf und andere.
Die Nähe der
Weingärten zur Stadt hat speziell in Wien diese
besondere Form des Weinkonsums
entstehen lassen. Wien ist die einzige Weltstadt, in der
nennenswerter Weinbau betrieben wird. Der echte
Wiener
Heurige ist daran zu erkennen, dass ein
Föhrenbuschen (daher auch die Bezeichnung Buschenschank)
oder ein Kranz über dem Lokaleingang darauf hinweisen, dass der
betreffende Weinhauer Wein ausschenkt. In vielen Buschenschänken
findet man auch eine Tafel mit der Aufschrift 'Ausg'steckt' -
nur hier wird echter Wiener Eigenbauwein ausgeschenkt. Meist
verrät auch eine Tafel im Ortszentrum der Heurigenorte, wer
gerade ausgesteckt hat.
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Die Wiener
Weinhauer keltern aber nicht nur Wein: Durch die Betreuung der
Weingärten erhalten und pflegen sie eine einzigartige
Kulturlandschaft und ein unersetzliches Naherholungsgebiet für
Gäste und Einheimische. Neben Wein aus
eigenem Anbau dürfen auch bestimmte
Speisen verkauft werden. Der Wein wird nach Martini
(11. November) des nächsten Jahres zum "Alten". Das
Buschenschankrecht wurde durch Patent Josephs II. vom 17. 8.
1784 verankert.
Die Geschichte der
Wiener Heurigen geht bis zur Römerzeit zurück:
Im Jahre 276 erlaubte Kaiser Probus seinen Legionären den
Weinbau in den Provinzen. Auch Karl der Große erließ zahlreiche
Gesetze, zu Wein, Weinpflege und Weinrecht. Mit dem Privileg von
Kaiser Joseph II im Jahre 1784 wurde jeder Winzer berechtigt,
eigene Weine selbst auszuschenken.
Das Privileg gilt heute noch und schaffte die gesetzliche
Grundlage für den Heurigen. Wien wurde im Laufe der Zeit die
einzige Millionenstadt der Welt mit nennenswertem Weinbau: die
etwa 240 Winzer keltern mehr als 2 Millionen Liter Wein, 90
Prozent davon sind Weißwein. Der Weinbau wird auf 700 Hektar
betrieben!
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Kleine
Heurigenkunde:
Heurige
Dieses Wort meint zweierlei: den Wein der letzten Ernte und die
Lokale, die ihn offen ausschenken dürfen.
Ausg´steckt
= ein Föhrenzweig steckt am Tor und zeigt an, daß Wein
ausgeschenkt wird.
Heurigenbuffet
Beim Heurigen holt man sich das Essen vom Buffet und setzt sich
dann an einen der großen Tische und bestellt den Wein. Deftiges
dominiert die Küche, Kümmel- und Schweinsbraten, Blutwurst und
Fleischlaberln sowie allerlei Aufstriche und Salate gehören zum
Angebot.
Heurigenorte
In den Weinbaugebieten rund um Wien gibt es etwa 200 Heurige.
Das beliebteste Heurigendorf ist Grinzing. Viel besucht sind
auch Heiligenstadt, Neustift oder Nußdorf. Einige Heurige liegen
in den Weinbergen mit einem wunderschönen Blick auf Wien.
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