TISCHMANIEREN
GEDECK
SERVIETTEN
TIPPS
TISCHKULTUR
WAS HÄNSCHEN NICHT LERNT...
Es ist noch
nicht lange her, dass Eltern es als ein absolutes Muss empfanden, ihren
Kindern einen Knicks oder Diener beizubringen. Der Grund: Nur dann waren
ihre Mitmenschen der Meinung, dass es sich um brave Kinder handele.
Viele Eltern haben aber
erkannt, dass auch Erziehung am besten in einer partnerschaftlichen
Atmosphäre gedeiht. Sie halten heutzutage ein Kind für genauso
wohlerzogen, das einem Erwachsenen unbefangen die Hand reicht und
vielleicht "Guten Tag" oder "Tach, du" sagt.
Sicherlich verzeiht man
den lieben Kleinen Ungeschicklichkeiten beim Essen. Von einem Kind
erwartet man nicht, dass es Gabel oder Schieber unberührt lässt und
stattdessen formvollendet um ein Tafelbesteck bittet. Andererseits gilt
hier der antiquierte Ausspruch "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans
nimmermehr".
Um sich gutes Benehmen
anzueignen, ist man nie zu jung. Und was man in jungen Jahren spielerisch
und nebenbei lernt, muss man sich später nicht mühevoll antrainieren.
TISCHMANIEREN
Miteinander
bei Tisch
Gepflegte Gastlichkeit
hat Konjunktur, Essen und Trinken in Gesellschaft Tradition. Daher haben
sich gerade in diesem Bereich eine verwirrende Vielzahl von Sitten im
Sinne guter Umgangsformen entwickelt. Selbstverständlich verfügen die
meisten Menschen über genügend Wissen, um gut über das gesellschaftliche
Parkett zu kommen. Man hat beim Zuprosten Blickkontakt, isst den Salat
nicht mit dem Fischbesteck und plärrt nicht laut und unhöflich nach der
Bedienung.
Aber auch wenn bei Tisch
ein kleines Malheur passiert, geht die Welt nicht unter. Wer Saucenflecken
auf die Tischdecke zaubert, wird nicht gleich mit einem gesellschaftlichen
Bannfluch belegt. Man verdeckt den Fleck dezent mit dem Brotteller oder
der Serviette. Passiert einmal ein gröberes Missgeschick, steht einer
Entschuldigung nichts im Weg. Vermeiden Sie es aber, Ihren Fehler - oder
auch den einer anderen Person - zum Dauerthema zu machen. Ist er behoben,
erwähnen Sie in nicht mehr und gehen zum Tischgespräch über.
Umgangsformen Update
Gebote und Verbote im
Sinne guter Umgangsformen lassen sich nur schwer festschreiben, weil sie
sich ständig verändern. War es lange verpönt, zu Fisch Rotwein zu trinken,
wird das heute anstandslos toleriert. Darüber hinaus sind viele Regeln
nicht exakt festgelegt. Umgangsformen und Verhalten müssen sich vielmehr
abhängig von der jeweiligen Situation immer wieder neu bewähren. Jeder
muss in verschiedensten Situationen von neuem für sich entscheiden, wie er
oder sie sich verhalten soll. Das fällt natürlich leichter, wenn man mit
den eingespielten und bewährten Grundregeln guten Benehmens vertraut ist.
Wir brauchen definierte
Spielregeln für den Umgang mit anderen Menschen - im Alltag genauso wie
für besondere Situationen. Moderne Umgangsformen sollen hilfreich und
variabel sein. Sie sollen nicht dogmatisch sein und nicht zu steifer
Hofetikette zurückführen, sondern den Umgang im stressigen Alltag
erleichtern. Ganz im Sinn des aufklärerischen Freiherrn von Knigge (1751 -
1796). Ihm ging es um Freiheit, um Charakterbildung, um Emanzipation.
Der Streiter für eine
bessere und gerechtere Gesellschaft stellte in seinem berühmten Buch "Über
den Umgang mit Menschen" keine normierenden Verhaltensregeln auf. Er gibt
vielmehr Ratschläge, wie das Zusammenleben vieler verschiedener Menschen
am besten funktioniert.
Auch heutzutage legt man
auf gutes Benehmen großen Wert - insbesondere bei Tisch.
GEDECK
Das kleine
Gedeck
Wenig problematisch ist
das so genannte kleine Gedeck. Dabei liegt nach internationaler Sitte die
Gabel links vom Teller, Messer und Suppenlöffel liegen rechts. Quer über
den Teller kommt ein Dessertlöffel. Das Glas steht rechts oben. Die
frühere Gewohnheit, den Suppenlöffel zusammen mit dem Dessertlöffel oben
quer, oder Messer und Gabel zusammen rechts zu decken, ist in der
gehobenen Gastronomie nicht üblich. Dieses Gedeck klein zu nennen
beweist, wie unterschiedlich die Mahlzeiten eingeschätzt werden. Immerhin
gehören zu diesem Essen nun schon zwingend eine Suppe, der Hauptgang und
ein Dessert. Natürlich gibt es Gerichte, die weniger Besteck benötigen.
Beim Spaghettiessen reicht Nudelprofis eine Gabel. Wird eine besonders
sättigende Suppe oder einen Eintopf serviert, bekommen Sie nur einen
großen Löffel, der dann rechts liegt.
Das
erweiterte Gedeck
Das erweiterte Gedeck
braucht man für ein mehrgängiges Menü. Meist werden dann auch die Getränke
zu den einzelnen Gängen gewechselt. Die mitunter recht große Anzahl der
Bestecke und Gläser wirkt manchmal irritierend. Anordnung und Einsatz der
Bestecke und Gläser sind aber recht übersichtlich:
- Besteckteile, die mit der rechten Hand geführt
werden, liegen rechts, die mit der linken Hand geführten liegen links.
- Die Bestecke kommen von außen nach innen zum
Einsatz. Für die Vorspeise greift man also zur äußeren kleineren Gabel
auf der linken, und zum äußeren kleineren Messer auf der rechten Seite.
- Der Brotteller steht immer links im Gedeck,
leicht verschoben über der äußersten Gabel. Das Brotmesser liegt auf dem
rechten Tellerrand. Es ist parallel zum Tafelmesser ausgerichtet, seine
Schneide zeigt nach links.
- Sind mehrere Gläser eingedeckt, steht das
Rotweinglas - das sogenannte Richtglas - über der Spitze des
Tafelmessers. An ihm sind die anderen Gläser ausgerichtet: im 45°-Winkel
rechts darunter das kleinere Glas für Weisswein, im 45°-Winkel links
darüber das Sektglas. Das Glas, das zuerst benutzt wird, steht dem Gast
am nächsten.
SERVIETTEN
Schutz und
Zierde
Schon die alten Römer
schützten sich bei ihren üppigen Gelagen mit so genannten mappae,
Tüchern aus edlem Material. Mundtücher fanden also schon immer in der
feinen Gesellschaft Verwendung. Die Serviette dient in erster Linie dem
Schutz der Kleidung und in zweiter Linie dazu, sich den Mund abzutupfen.
Trotzdem sollten Sie sich beim Verzehr fettiger Speisen (auch Salat mit
Vinaigrette) erst mit der Serviette den Mund abtupfen, ehe Sie zum Wein-
oder Wasserglas greifen. Sonst gibt es unschöne Fettränder am Glas. Die
Serviette ist in der Mitte des Gedecks aufgebaut. Sie kann auch links
davon oder hinter dem Gedeck stehen. Oft ist sie aufwendig und kunstvoll
gefächert oder geformt, in der Fachsprache heißt das gebrochen.
Sobald man sich an seinen Platz gesetzt hat, legt man die Serviette auf
seinen Schoß. Man wartet damit also nicht, bis der erste Gang des Menüs
aufgetragen wird.
Die Serviette wird nicht:
- umgebunden
- in den Hemdkragen gesteckt
- an der Krawattennadel befestigt
- unbenutzt liegen oder stehen gelassen
Tipp: Keine Regel ohne Ausnahme. Beim Spaghettiessen dürfen Sie die
Serviette in den Hemdkragen stecken.
Mittelgroße
Stoffservietten
Falten Sie die Serviette
zu etwa einem Drittel ein. Legen Sie die Serviette so auf Ihren Schoß,
dass der Knick zu Ihnen hinzeigt und das eingeschlagene Drittel unten ist.
Erstens bleibt so der Teil der Serviette, der mit Ihrer Garderobe in
Kontakt kommt, immer sauber. Zweitens erzielen Sie eine Art Bremswirkung,
schließlich verrutschen Servietten - ob aus Papier oder Stoff - leicht.
Sie legen die zu einem Drittel umgeschlagene Serviette mit der offenen
Seite zu sich auf den Schoß. Wenn Sie sich mit der Unterseite die Lippen
abtupfen, bleiben eventuelle Spuren davon unsichtbar. Der Nachteil
allerdings ist, dass die Gefahr, Fettflecken auf die Kleidung zu bekommen,
wesentlich zunimmt.
Zwischen
den Gängen - nach dem Essen
Sollten Sie während des
Essens aufstehen müssen, legen Sie die Serviette locker zusammengefaltet
auf die Sitzfläche Ihres Stuhls. Aus hygienischen Gründen sollte dabei die
saubere Seite, die davor auf Ihrer Garderobe lag, nach außen zeigen. Wenn
Sie die Serviette auf dem Tisch ablegen, heißt das, dass Sie Ihr Essen
beendet haben. Die Serviette wird nach dem letzten Abtupfen der Lippen
leicht zusammengeklappt auf den Tisch gelegt. Egal ob es sich um eine
Serviette aus Papier oder Stoff handelt: Sie wird weder als unordentlicher
Haufen, noch penibel genau gefaltet zurückgelassen.
TIPPS
Würzig
Auch wenn Sie
leidenschaftlich gerne scharf gewürzt essen: Man würzt nicht maßlos nach -
schon gar nicht, ehe der erste Bissen probiert wurde. Bei privaten
Einladungen könnte das als Kritik an der Hausherrin und ihren Kochkünsten
aufgefasst werden. Genauso unhöflich wäre es, den feinen Geschmack der
Speisen durch "Killer" wie Ketchup zu übertünchen.
Kavalier
Alle Frauen träumen
davon, einen echten Kavalier an ihrer Seite zu haben. Dieser rückt beim
Hinsetzen seiner Tischdame den Stuhl zurecht. Wer ihn dabei aber mit
Schwung in die Kniekehlen stößt, darf sich über entsetzte Blicke der Dame
nicht wundern.
Souverän
Man kann nicht immer
alles wissen. Wenn Ihnen etwas fremd oder nicht klar ist, fragen Sie
einfach nach. So ersparen Sie sich beispielsweise den Fauxpas, das
Zitronenwasser aus der Fingerbowle für einen erfrischenden Schluck zu
halten, anstatt sich darin die Finger zu säubern, oder die kalte Gazpacho
wegzuschieben. Diese spanische Gemüsesuppe muss kalt sein ...
Abstand halten
Der Platz bei Tisch ist
ausreichend bemessen, benachbarte Gedecke haben etwa 80 Zentimeter Abstand
zueinander. Achten Sie darauf, Ihrem Tischnachbarn seinen entsprechenden
Freiraum zu lassen. Gerade beim Hantieren mit schwierigen Speisen bleiben
Ihre Ellenbogen unten und Sie bewegen sich nicht im "Areal" Ihres
Nachbarn.
Hobby-Önologen
Auch exzellenten Wein
genießt man ohne übertriebene Mimik und Gestik. Es ist nicht nötig, den
Probierschluck mit lauten Ausrufen wie "Oh!" und "Ah!" zu kommentieren,
oder ihn regelrecht zu gurgeln oder zu kauen.
TISCHKULTUR
Tischkultur ist mehr als
der richtige Gebrauch von Besteck und Gläsern. Ebenso dazu gehören die
korrekte Sitzhaltung und der rücksichtsvolle Umgang mit Rauchwaren.
Die korrekte Sitzhaltung
während des gesamten Essens ist eine aufrechte. Der Rücken ist gerade,
idealerweise lehnt man ihn nicht einmal an die Stuhllehne an.
Das Essen führt man mit
der Gabel oder dem Löffel zum Mund. Das Messer wird ausschließlich zum
Schneiden, und nicht zum Schieben, benutzt. Es ist üblich, vom Fleisch ein
mundgerechtes Stück abzuschneiden, es gleich zu essen und wahlweise in
kleinen Happen Kartoffeln, Gemüse oder andere Beilagen zu sich zu nehmen.
Sie legen Messer und Gabel also nur aus der Hand, wenn Sie zwischendurch
einen Schluck trinken möchten. Essen Sie etwas, wozu nur die Gabel
benötigt wird, liegt Ihre linke Hand, wohlgemerkt nur die Hand und nicht
der Arm bis über den Ellenbogen, neben Ihrem Gedeck auf dem Tisch.
Der Stuhl wird nicht hin-
und hergerückt, ebenso wenig wie Sie darauf hin- und herwippen. Die Beine
stehen parallel zueinander, und die Füße bleiben ruhig. Sie wippen auch
nicht im Takt mit der Musik. Selbst wenn die Schuhe drücken - sie bleiben
selbstverständlich angezogen.
Wenn man nichts mit
seinen Händen anzufangen weiß, stützt man sich keinesfalls mit den
Ellenbogen auf oder legt gar den Ellenbogen ab. Nur die Hände liegen auf
dem Tisch. Die Finger trommeln nicht auf der Tischplatte, zerkrümeln kein
Brot, zerfleddern keinen Bierdeckel und fuchteln nicht mit dem Besteck.
|